Text: Thomas M. Gerbeth, IPCI Deutschland e.V. · 2025

Wasser anpflanzen – Hoffnung wurzelt in der Erde
2019 begleitete der österreichische Filmemacher Peppo Wagner die Internationale Pernambuco Conservation Initiative (IPCI) nach Brasilien. Ziel der Reise war es, die tiefgreifende Verbindung zwischen dem wertvollen Fernambukholz, der Musik und den Menschen sichtbar zu machen, die dieses seltene Holz mit Sorgfalt und Hingabe verarbeiten. Das Ergebnis war der eindrucksvolle Dokumentarfilm Vollendeter Klang – Das Holz der Bogenmacher, der auf berührende Weise die Kette vom Ursprung des Holzes im brasilianischen Regenwald bis hin zur Werkbank der Bogenmacherinnen und Bogenmacher nachzeichnet. Die Verbindung zwischen Wald und Musik, zwischen Natur und Handwerk – sie wurde in diesem Film spürbar.
Aus dieser ersten Zusammenarbeit ist über die Jahre eine Freundschaft gewachsen. Und so erhielt ich frühzeitig Nachricht von seinem neuen Filmprojekt: Parenzana – Ein Weg durch drei Länder, das im November 2023 auf dem gemeinschaftlichen öffentlich-rechtlichen Sender 3sat von Deutschland, Österreich und der Schweiz Premiere feierte. Die Reise führt entlang einer ehemaligen Eisenbahnstrecke durch Slowenien, Kroatien und Italien – und wie schon in Vollendeter Klang gelingt es Peppo Wagner auch hier, Landschaften, Menschen und Geschichten auf poetische Weise miteinander zu verweben.
Unmittelbar im Anschluss an diese Ausstrahlung zeigte 3sat einen weiteren Dokumentarfilm – Hilfe für den atlantischen Regenwald – zwei Frauen und ihr Engagement. Die ersten Bilder waren kraftvoll und still zugleich: Eine junge indigene Frau und eine Schweizer Vogelkundlerin bewegten sich gemeinsam durch den brasilianischen Regenwald. Dann ein Moment von symbolischer Tiefe: Die junge indigene Frau, Hamangai Pataxó Hã-Hã-Hãe, lässt sich ein Blatt des Pau-Brasil-Baumes – jenes Baumes, dessen Holz für unsere Bögen von zentraler Bedeutung ist – auf den Unterarm tätowieren.

Ein Zeichen der Identität, der Zugehörigkeit und des Widerstands. Im Begleitkommentar erfahren wir, dass Hamangai zu den ersten Mitgliedern ihres Volkes gehört, die ein Universitätsstudium absolvieren durften. Sie bewegt sich mit beeindruckender Selbstverständlichkeit zwischen den Traditionen ihres Volkes und der modernen Welt, in der sie als Vermittlerin, Aktivistin und Hoffnungsträgerin wirkt.
Ich war tief berührt. Von ihrer Stärke, ihrem klaren Blick, ihrer natürlichen Autorität. Und von der Nähe zur Stadt Pau Brasil, die nicht nur geographisch, sondern auch emotional mit unserer Arbeit verbunden ist. Wenige Tage später nahm ich Kontakt zur Filmemacherin Marina Wutholen auf. Ich schilderte ihr meine Eindrücke, meine Gedanken – und bat sie um den Kontakt zu Hamangai. Keine Stunde später meldete sich Hamangai bei mir. Direkt, offen, herzlich. Ein Gespräch begann, das schnell zu einer intensiven Verbindung wurde – und schließlich zu einem gemeinsamen Projekt führt: „Wasser anpflanzen“.
Doch was bedeutet es eigentlich, Wasser zu pflanzen?
Im Anschluss an das Simpósio Nacional de Ecologia, Conservação e Produção Sustentável do Pau Brasil in Ilhéus – einem bedeutenden Treffen von Wissenschaft, Naturschutz und nachhaltiger Holzwirtschaft – reisten wir gemeinsam mit Hamangai in das etwa 135 Kilometer entfernte Gebiet ihres Volkes, das Reservat der Pataxó Hã-Hã-Hãe. Diese Region trägt die Narben ihrer Vergangenheit: Jahrzehntelang war das Land in den Händen von Großgrundbesitzern, die es den indigenen Familien entrissen und ausbeuteten. Der Kampf um Rückgabe war lang, schmerzvoll, verlustreich – erst in den 1990er Jahren wurde das Gebiet durch ein Gerichtsurteil der ursprünglichen Bevölkerung zurückgegeben. Doch mit dem Rückzug der ehemaligen Farmer kam keine Versöhnung, sondern blinde Zerstörung: Aus Rache rodeten sie die verbliebenen Wälder, brannten Felder nieder, vergifteten Böden und Wasserquellen. Was einst grünte und blühte, wurde zu trostloser Steppe. Der Grundwasserspiegel sank dramatisch, und der Fluss, der das Gebiet einst wie eine Lebensader durchzog, ist heute nur noch ein schmaler, erschöpfter Bach.

Aber selbst in dieser Verwüstung wächst neues Leben.
Mit Unterstützung der IPCI, der Gemeinde vor Ort und des Instituts Floresta Viva wird eine Baumschule entstehen. Ein Ort der Hoffnung – konkret, greifbar, nachhaltig. Hier sollen verschiedenste heimische Baumarten aufgezogen werden, darunter auch Paubrasilia echinata, der Pau-Brasil-Baum. Die Setzlinge werden in die kargen, zerstörten Flächen des Reservats gepflanzt – nicht nur, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen, sondern um dem Land Heilung zu bringen. Es ist eine Antwort auf Gewalt – mit Leben. Eine Antwort auf Zerstörung – mit Wurzeln. Eine Antwort auf Ausbeutung – mit Zukunft.
Es ist auch ein Prozess der inneren Heilung für die Menschen vor Ort. In Hamangais Elternhaus hängen Fotos von vier jungen Männern – Mitgliedern ihrer Familie – die in den Auseinandersetzungen um das Land ihr Leben lassen mussten. In den Gesichtern der Familie liegt die Erinnerung an Tod, Vertreibung, Ungerechtigkeit. Es sind Geschichten, die noch nicht vergangen sind – sie reichen nur wenige Jahre zurück und prägen das tägliche Leben.
„Wasser anpflanzen“ – das ist mehr als ein poetisches Bild. Es beschreibt den Wunsch, den Kreislauf des Lebens zurückzubringen: Bäume, die Schatten spenden. Wurzeln, die den Boden halten. Blätter, die Regen einfangen. Wasser, das in die Tiefe sickert und Quellen neu speist. Leben, das zurückkehrt – und mit ihm die Hoffnung.

Wir laden Sie ein, Teil dieses Projektes zu sein.
Mit Ihrer Spende helfen Sie mit, dass aus verbrannter Erde neue Wurzeln wachsen. Dass das Wasser zurückkehrt in die ausgetrockneten Flussbetten. Dass junge Menschen wie Hamangai die Kraft haben, ihr Wissen und ihre Träume mit ihrer Gemeinschaft – und mit der Welt – zu teilen. Sie helfen mit, dass der Klang des Waldes, der Klang der Musik, der Klang des Lebens nicht verstummt.
Musik. Wald. Mensch. Sie sind untrennbar verbunden.
Helfen Sie mit, dies zu bewahren.

Quelle: IPCI Journal, erste Ausgabe, 2025. Sprachlich überarbeitete Webfassung; inhaltlicher Stand der ursprünglichen Veröffentlichung.
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